Corona-Hilfen für Freiberufler, Selbstständige und kleine Unternehmen

Symbolbild eines Coronavirus

Aktualisiert am 04.06.2020

Der Coronavirus trifft Selbstständige und kleine Unternehmen hart: 77 Prozent sehen laut einer Umfrage von Jimdo eine Existenzgefahr für ihr Unternehmen. Bund und Länder schnüren aktuell verschiedene Hilfspakete von Kurzarbeit und Krediten bis zu finanziellen Soforthilfen.

Wo bekommen Selbstständige und kleine Unternehmen jetzt die richtigen Hilfen? Und wo bekommt ihr sofort Unterstützung für euch als Freiberufler oder kleines Unternehmen?

Hier bekommt ihr einen Überblick, wo ihr jetzt Hilfen bekommt und an welche Behörden und Banken ihr euch wenden könnt.

Jetzt beitreten: In der Facebook-Gruppe zur Corona-Krise für Selbstständige und kleine Unternehmen könnt ihr euch direkt mit anderen austauschen und Hilfe finden.

Bundesregierung senkt den Mehrwertsteuersatz

Für den Zeitraum zwischen dem 1. Juli und dem 31. Dezember 2020 wird der Mehrwertsteuersatz von 19 auf 16 Prozent gesenkt, der ermäßigte Satz von 7 auf 5 Prozent. Damit möchte die Bundesregierung den Binnenkonsum ankurbeln.

In unserem Hilfe-Center lest ihr, wie ihr den Steuersatz in eurem Dolphin Shop und eurem Creator Shop anpassen könnt.

Bundesregierung beschließt erstes Rettungspaket

Am Montag, dem 23. März hat die Bundesregierung umfassende Maßnahmen für Selbstständige und Unternehmen aller Größen beschlossen. Hier die wichtigsten im Überblick.

50 Milliarden Euro für Selbstständige und kleine Unternehmen

Die Bundesregierung stellt ein umfassendes Hilfspaket für Freiberufler, Solo-Selbstständige und kleine Firmen zur Verfügung. Damit sollt ihr schnell und unbürokratisch Finanzspritzen bekommen. Konkret sieht das so aus:

  • 9.000 Euro erhalten Unternehmen mit bis zu 5 Angestellten als Einmalzahlung für drei Monate.
  • Bis zu 15.000 Euro gibt es für Unternehmen mit bis zu 10 Mitarbeitern.

Diese Finanzhilfen sind Zuschüsse und keine Kredite. Ihr müsst sie daher nicht zurückzahlen.

Ausführliche Infos zum Milliardenpaket findet ihr beim Bundeswirtschaftsministerium.

Beantragen könnt ihr die Hilfspakete über die Bundesländer. Mehr dazu erfahrt ihr in unserem separaten Artikel zum Thema Soforthilfen.

Keine Mietkündigung wegen Coronavirus

Solltet ihr aufgrund von Einbußen durch die Corona-Krise eure Miete nicht mehr bezahlen können, darf euch der Vermieter nicht kündigen. Dies gilt für Mietschulden zwischen dem 1. April und dem 30. September 2020.

Zuschuss für Unternehmensberatung

Die COVID-19-Krise macht auch vor eurem Business nicht halt und ihr würde euch gerne von Fachleuten beraten lassen? Dann könnt ihr ab sofort beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle einen Zuschuss für Unternehmensberatung beantragen. Die Beratungskosten dürfen dabei 4.000 Euro nicht überschreiten.

So sieht die genaue Staffelung der Zuschüsse aus:

UnternehmensartBemessungs­grundlageRegionFördersatzmaximaler Zuschuss
Junge Unternehmen
nicht länger als 2 Jahre am Markt
4.000 Euroneue Bundesländer (ohne Berlin und ohne Region Leipzig)80 %3.200 Euro
Region Lüneburg60 %2.400 Euro
alte Bundesländer (ohne Region Lüneburg)
mit Berlin und Region Leipzig
50 %2.000 Euro
Bestandsunternehmen
ab dem dritten Jahr nach Gründung
3.000 Euroneue Bundesländer (ohne Berlin und ohne Region Leipzig)80 %2.400 Euro
Region Lüneburg60 %1.800 Euro
alte Bundesländer (ohne Region Lüneburg)
mit Berlin und Region Leipzig
50 %1.500 Euro
Unternehmen in Schwierigkeiten3.000 Euroalle Standorte90 %2.700 Euro

Die Bundesagentur für Arbeit: erste Anlaufstelle für Kurzarbeit, Grundsicherung oder Arbeitslosengeld

Wollt ihr für euer Unternehmen Kurzarbeit, Arbeitslosengeld oder Grundsicherung beantragen, tut ihr dies bei der Bundesagentur für Arbeit.

Das aktuelle Problem: Aufgrund der hohen Nachfrage sind die Leitungen der Arbeitsagentur oft überlastet. Vor Ort bekommt ihr derzeit auch keine Hilfe, da alle örtlichen Agenturen für Publikumsverkehr geschlossen wurden.

Die Agentur für Arbeit hat daher lokale Rufnummern freigeschaltet, unter denen ihr eure örtliche Außenstelle erreichen könnt. Dazu müsst ihr auf der Startseite der Bundesagentur nur euren Ort oder eure Postleitzahl eingeben.

Kurzarbeit beantragen

Falls ihr Mitarbeiter beschäftigt, könnt ihr bei der Bundesagentur für Arbeit Kurzarbeit beantragen. Der Vorteil: Ihr könnt eure Mitarbeiter halten, spart jedoch bei den Lohnkosten. Denn für den Verdienstausfall bei reduzierter Arbeitszeit springt der Staat ein.

Aufgrund der Coronakrise könnt ihr Kurzarbeit aktuell bereits in Anspruch nehmen, wenn 10 Prozent eurer Angestellten von Arbeitsausfällen betroffen sind (vorher ein Drittel) – auch rückwirkend ab dem 1. März.

So beantragt ihr Kurzarbeit:

  1. Zunächst beantragt ihr Kurzarbeit bei der Arbeitsagentur – das funktioniert auch online.
  2. Euer Antrag wird überprüft und ihr bekommt schnellstmöglich einen Bescheid, ob ihr eure Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken könnt
    Auch hier gilt leider: Aktuell kommt es zu Wartezeiten, da die Behörden derzeit überlastet sind. Viele Bundesländer arbeiten derzeit an vereinfachten Verfahren.

Für die Arbeitszeit werden die Mitarbeiter vom Staat mit 60 Prozent des pauschalierten Nettolohns entschädigt – 67 Prozent, wenn er ein oder mehrere Kinder hat. Die Arbeitszeit kann bis auf null Stunden heruntergefahren werden.

Update vom 14. Mai: Die Bundesregierung hat eine Erhöhung des Kurzarbeitergelds beschlossen. Ab dem 4. Monat Kurzarbeit steigt der Betrag auf 70 bzw. 77 Prozent, ab dem 7. Monat auf 80 bzw. 87 Prozent.

Mehr zum Thema könnt ihr unserem Artikel über Kurzarbeitergeld lesen.

Grundsicherung für Selbstständige beantragen

Ihr habt zwar Aufträge, doch euer Einkommen reicht einfach nicht zum Leben? Dann könnt ihr Grundsicherung beantragen – auch bekannt als Arbeitslosengeld II bzw. Hartz IV.

Die Höhe wird individuell berechnet und hängt von vielen verschiedenen Faktoren ab. Daher können wir euch keine unkomplizierte Auskunft zur Berechnung geben. Am besten sprecht ihr dazu direkt mit eurem Kundenberater bei der Agentur.

Neu seit 23. März: Um Grundsicherung zu beantragen, müsst ihr nun nicht mehr eure Vermögensverhältnisse offenlegen. Stattdessen hat das Bundesarbeitsministerium beschlossen:

  • Die Vermögensprüfung sowie die Prüfung der Wohnungsmiete werden für ein halbes Jahr ausgesetzt.
  • Familien mit Einkommenseinbrüchen bekommen leichter Kinderzuschlag.

Mehr dazu auf der Website des Bundesarbeitsministeriums.

Arbeitslosenversicherung für Selbstständige

Als hauptberuflich Selbstständige habt ihr die Möglichkeit, euch gegen Arbeitslosigkeit zu versichern. Dieses “Versicherungspflichtverhältnis auf Antrag” müsst ihr in den ersten drei Monaten eurer Selbstständigkeit abschließen. Habt ihr das getan und auch fleißig Beiträge gezahlt, könnt ihr euch nun arbeitslos melden und Arbeitslosengeld I beziehen.

Die Höhe der Leistung hängt von eurer Qualifikation und eurer Branche ab, die Bezugsdauer davon, wie lange ihr bereits eingezahlt habt.

Wichtig: Meldet ihr euch arbeitslos, dürft ihr abgesehen von einer Nebentätigkeit nicht arbeiten. Gibt es wieder etwas zu tun, müsst ihr die Arbeitslosigkeit beenden und bekommt somit auch kein Arbeitslosengeld mehr.

Mehr Infos zu diesen Leistungen und zum Thema Kurzarbeit findet ihr auf der Website der Bundesagentur für Arbeit.

Steuerliche Entlastungen für Freiberufler und kleine Unternehmen bekommen

Für Selbstständige und Unternehmen bieten Bund und Länder derzeit eine Reihe steuerlicher Entlastungen. Dazu gehören zum Beispiel:

  • Herabsetzung oder Aussetzung laufender Vorauszahlungen zur Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer auf Antrag
  • Stundung fälliger Steuerzahlungen
  • Erlass von Säumniszuschlägen
  • Verzicht auf Vollstreckungsmaßnahmen
  • Sozialbeiträge für ausgefallene Arbeitsstunden können Arbeitgeber voll vom Staat erstatten lassen (vorher nur bei 50 Prozent)

Tipp: Kontaktiert das für euch zuständige Finanzamt, welche Regelungen ihr in Anspruch nehmen könnt.

Welche Möglichkeiten es für euch gibt, erfahrt ihr auf den offiziellen Websites der Bundesländer.

KfW-Kredite für Selbstständige und kleine Unternehmen in der Corona-Krise beantragen

Eine wichtige Rolle bei der Unterstützung der Wirtschaft in Deutschland kommt der KfW zu. Die KfW-Bank vergibt Kredite zu besonderen Konditionen und sorgt dafür, dass euer Business nicht in Zahlungsschwierigkeiten gerät.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

Wer kann KfW-Hilfen beantragen?

Ihr könnt als Freiberufler und Selbstständiger genauso einen KfW-Kredit beantragen, wie ein beliebig großes Unternehmen.

Wo bekomme ich einen KfW-Kredit?

Es gibt keine Filialen der KfW. Ihr beantragt Kredite daher im Normalfall einfach über eure Hausbank.

Wie lange dauert der Antrag?

Es ist davon auszugehen, dass sich die normale Wartezeit von wenigen Wochen durch den aktuellen Andrang auf KfW-Kredite verlängern dürfte. Dies lässt sich heute jedoch noch nicht prognostizieren.

Für Corona-Hilfen hat die KfW eine eigene Website mit Informationen eingerichtet.

So bekommt ihr Corona-Soforthilfen in eurem Bundesland: Adressen und Ansprechpartner

Eine ausführliche Liste mit Hilfspaketen der Bundesländer haben wir in unserem Artikel über Corona-Soforthilfen für euch gesammelt.

Die Organisation Corona-Selbsthilfe bietet zudem einen Soforthilfe-Rechner an. Mit dessen Hilfe könnt ihr herausfinden, welche und wie viel Soforthilfe euch zusteht.

Die Landesförderinstitute bieten zudem Förderprogramme und Bürgschaften während der Corona-Krise an – auch für Selbstständige, Freiberufler und kleine Unternehmen. Hier findet ihr eine Übersicht der für euer Land zuständigen Banken, an die ihr euch wenden könnt:

Unser Tipp: Für kleine Unternehmen hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie aktuell eine Hotline eingerichtet, unter der ihr euch über die verschiedenen Möglichkeiten informieren könnt: 030/18615-1515, Mo-Fr., 9-17 Uhr.

Verdienstausfälle für Selbstständige und Freiberufler durch Quarantäne

Seid ihr in häuslicher Quarantäne, könnt aber ganz normal am eigenen PC arbeiten, verdient ihr weiterhin euren Lebensunterhalt. In diesem Fall gibt es keine Sonderregelung.

Anders sieht es aus, wenn die Quarantäne euch davon abhält, eurem Beruf nachzugehen. In diesem Fall greift das Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung von Infektionskrankheiten beim Menschen. Danach steht euch eine Entschädigung für eure Verdienstausfälle zu. Der Staat zahlt euch eine monatliche Summe, die sich an eurem letzten Jahreseinkommen orientiert.

Was machen Künstler und Selbständige aus der Kultur- und Kreativwirtschaft in der Corona-Krise?

Durch die Einschränkungen bzw. Verbote von Veranstaltungen sind insbesondere Künstler, Eventprofis und Kreative in ihrer Tätigkeit eingeschränkt. Die Länder und Kulturministerien arbeiten derzeit mit Hochdruck an Hilfemaßnahmen.

Welche Möglichkeiten für Unterstützung es für Kreative aktuell gibt:

  • Erkundigt euch beim Finanzamt, inwiefern die Einkommensteuer bzw. Körperschaftsteuer herabgesetzt oder ausgesetzt werden kann. Zusätzlich bieten viele Länder Stundungen an, oft können Säumniszuschläge erlassen werden.
  • Habt ihr mindestens einen Mitarbeiter, gibt es die Möglichkeit der Kurzarbeit (siehe weiter oben)
  • Überprüft, ob euch nach bestehenden Verträgen ein Ausfallhonorar zusteht
  • Die Künstlersozialkasse rät dazu, die Einkommenserwartung zu reduzieren und somit Beiträge zu sparen.

Darüber hinaus haben einzelnen Länder verschiedene Hilfsangebote für Kreative und Kulturschaffende ins Leben gerufen:

Zudem hat die Website „Kreative Deutschland“ eine Übersicht mit zahlreichen Corona-Hotlines für die Kultur- und Kreativwirtschaft zusammengestellt. Auch die Bundesregierung bietet eine Übersicht mit Maßnahmen an.

Hilfsinitiativen für kleine Unternehmen

Im Internet sprießen zurzeit zahlreiche Initiativen und Online-Plattformen aus dem Boden, bei denen Freiberufler und kleine Unternehmen ihre Waren und Services anbieten – sowohl regional als auch landesweit.

Eine Übersicht über Plattformen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz haben wir in unserem Artikel Hilfsinitiativen für kleine Unternehmen in der Corona-Krise zusammengestellt.

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Stefan Sturm
Stefan ist Redakteur bei Jimdo und schreibt zu allen Themen rund um Website, Online-Shop und Selbstständigkeit. Seine Freizeit widmet er guten Filmen, Spielen und Büchern.