So beantragt ihr Kurzarbeitergeld für eure Mitarbeiter

Eine junge Unternehmerin füllt einen Antrag auf Kurzarbeit aus

Die Corona-Krise macht auch vor kleinen Unternehmen nicht halt: Es kommt zu Lieferengpässen, Aufträge verschieben sich oder brechen komplett weg. Diese Umsatzeinbrüche betreffen nicht nur euch, sondern auch eure Mitarbeiter. Denn schließlich wollen diese bezahlt werden, auch wenn die Auftragsbücher leer sind.

Um Kündigungen zu vermeiden, ist Kurzarbeit eine Lösung. Die wichtigsten Infos zum Kurzarbeitergeld und wie ihr es beantragt haben wir in diesem Artikel für euch zusammengestellt.

Was ist Kurzarbeitergeld?

Das Kurzarbeitergeld ermöglicht euch die Arbeitszeit eurer Angestellten so weit wie nötig zu reduzieren – im Extremfall sogar bis auf null Stunden. Für die gestrichene Arbeitszeit werden eure Mitarbeiter vom Staat mit 60 Prozent des pauschalen Nettolohns entschädigt – 67 Prozent, wenn sie mindestens ein Kind haben.

Dank dieser Entlastung könnt ihr eure Mitarbeiter weiterhin beschäftigen, spart jedoch erheblich bei den Lohnkosten. 

Hier ein Beispiel: Ein Angestellter (ohne Kinder) verdient bei euch 2.500 Euro netto. Bei Kurzarbeit ändert sich sein Gehalt wie folgt:

  • Reduziert ihr seine Arbeitszeit auf null Stunden, erhält er sein Geld komplett vom Staat. Das sind dann knapp 1.650 Euro netto.
  • Arbeitet er nur noch die Hälfte der Zeit, erhält er von euch die Hälfte seines Gehalts (1.250 Euro netto). Von der verbliebenen Hälfte des Gehalts (wofür er nicht gearbeitet hat) erhält er 60 Prozent vom Staat (750 Euro), das macht insgesamt 2.000 Euro netto.

Update vom 14. Mai: Die Bundesregierung hat eine Erhöhung des Kurzarbeitergelds beschlossen. Ab dem 4. Monat Kurzarbeit steigt der Betrag auf 70 bzw. 77 Prozent, ab dem 7. Monat auf 80 bzw. 87 Prozent.

Wer kann Kurzarbeit anmelden?

Grundsätzlich kann jeder Betrieb Kurzarbeit beantragen, der unverschuldet in wirtschaftliche Schieflage geraten ist – zum Beispiel aufgrund von Ereignisse wie der Corona-Krise. Dabei gibt es unterschiedliche Voraussetzungen zu erfüllen:

  • erhebliche Arbeitsausfälle durch wirtschaftliche Gründe oder ein unabwendbares Ereignis
  • unvermeidbare und vorübergehende Arbeitsausfälle
  • 10 % eurer Mitarbeiter haben ein Arbeitsgeldausfall von mehr als 10 Prozent

Ein Video für die Voraussetzung von Kurzarbeitergeld sowie das Merkblatt Kurzarbeitergeld findet ihr auf der Website der Agentur für Arbeit. 

Welche Sonderregelungen für Kurzarbeitergeld gibt es seit dem Corona-Virus?

Aufgrund der Corona-Krise hat die Bundesregierung rückwirkend zum 1. März Sonderregelungen beschlossen und die Voraussetzungen für das Kurzarbeitergeld gelockert sowie die Konditionen erweitert: 

  • Ihr könnt Kurzarbeitergeld beantragen, wenn 10 Prozent eurer Mitarbeiter von einem Arbeitsgeldausfall von mehr als 10 Prozent betroffen sind. Vor der Gesetzesänderung mussten noch ein Drittel eurer Mitarbeiter betroffen sein.
  • Euch werden die Sozialversicherungsbeiträge, die auch bei Kurzarbeit zu zahlen sind, in voller Höhe erstattet.

Wichtig ist, dass es sich um einen vorübergehenden und unvermeidbaren Arbeitsausfall handelt. Alle Optionen wie Urlaub, Überstundenabbau und Homeoffice müssen von eurer Seite zunächst ausgeschöpft werden.

Wir aktualisieren für euch die Informationen zum Kurzarbeitergeld, sobald es etwas Neues gibt.

Übrigens: Weiterbildungsmaßnahmen während Kurzarbeit werden in vielen Fällen staatlich gefördert – bei unter 9 Mitarbeitern sogar bis zu 100 Prozent. Mehr Infos findet ihr zum Beispiel beim Institut für Berufliche Bildung.

Wo und wie könnt ihr Kurzarbeitergeld beantragen?

Wenn ihr Kurzarbeitergeld beantragen möchtet, dann geht das über das Online-Portal eurer zuständigen Agentur für Arbeit. In einem telefonischen Beratungsgespräch könnt ihr euch zusätzlich auch zum Kurzarbeitergeld aufklären lassen.

Folgende Punkte müsst ihr für die Beantragung erfüllen:

  • Einverständniserklärung aller von Kurzarbeit betroffener Mitarbeiter
  • ggf. Ankündigungsfristen einhalten 
  • die Anzeige über das Online-Portal der Agentur für Arbeit einreichen oder alternativ bei eurer zuständigen Agentur für Arbeit abgeben
  • den Leistungsantrag online ausfüllen oder bei eurer zuständigen Agentur für Arbeit abgeben

Welche Arbeitsagentur für euch zuständig ist, könnt ihr ganz schnell und einfach über die Dienststellensuche herausfinden.

Euch wurde das Kurzarbeitergeld bereits bewilligt und ihr möchtet nun mit der Agentur für Arbeit abrechnen? Dann könnt ihr dazu auch das Online-Portal nutzen und eure Abrechnungsliste online übermitteln. Natürlich geht das auch offline. Reicht dafür einfach diese Abrechnungsliste bei eurer zuständigen Agentur für Arbeit per Post ein.

Nehmt auch die zur Verfügung stehenden Tabellen zur Berechnung des Kurzarbeitergeldes (Links weiter unten) zur Hilfe.

Alle Materialien zum Kurzarbeitergeld für euch im Überblick

  • Video für die Beantragung von Kurzarbeitergeld

Welche Probleme gibt es aktuell bei der Beantragung von Kurzarbeitergeld?

Aufgrund der Corona-Krise wird die Bundesagentur für Arbeit mit Anfragen zu Kurzarbeit überrannt. Durch die hohe Nachfrage sind die Mitarbeiter überlastet. Hinzu kommt auch, dass die Bundesagentur ebenfalls von der Corona-Krise betroffen ist. Die Mitarbeiter befinden sich meist selbst im Homeoffice, die örtlichen Zweigstellen sind geschlossen. Stellt euch also auf längere Wartezeiten am Telefon und bei der Bearbeitung eurer Anträge ein.

Wie geht es weiter und wo bekommt ihr Hilfe?

Keiner kann heute absehen, wie lange uns die weltweite Corona-Krise noch im Griff hat. Natürlich halten wir euch weiterhin über die aktuellen Ereignisse auf dem Laufenden und aktualisieren unsere Beiträge, sobald es neue Informationen gibt.

Wendet euch bei Fragen an eure zuständige Bundesagentur für Arbeit oder nutzt die Hotline für Arbeitgeber, die Montag bis Freitag von 8:00 Uhr bis 18:00 Uhr geschaltet ist.

Hotline: 0800 45555 20

Wir hoffen, ihr kommt gut durch die Krise – gesund und ohne großen wirtschaftlichen Einbußen!


Zusammenfassung

Was ist Kurzarbeit?

Sollte aufgrund einer Wirtschaftskrise oder eines anderen unabwendbaren Ereignisses nicht mehr genug Arbeit für eure Mitarbeiter vorhanden sein, könnt ihr Kurzarbeit beantragen. Dann könnt ihr die Arbeitszeit eurer Angestellten so weit wie nötig reduzieren – im schlimmsten Fall sogar bis auf null Stunden.

Für die weggefallene Arbeitszeit erhalten eure Mitarbeiter vom Staat das sogenannte Kurzarbeitergeld.

Wer kann Kurzarbeit anmelden?

Jedes Unternehmen, das Arbeitsausfälle aufgrund einer Wirtschaftskrise oder eines anderen unabwendbaren Ereignisses erleiden muss. Diese müssen unvermeidbar und vorübergehend sein.

Vor der Corona-Krise konntet ihr Kurzarbeit erst dann anmelden, wenn ein Drittel der Mitarbeiter von Arbeitsausfällen betroffen war. Rückwirkend zum 1. März hat die Bundesregierung beschlossen, dass nun bereits 10 Prozent ausreichen.

Wie hoch ist das Kurzarbeitergeld?

Das Kurzarbeitergeld beträgt 60 Prozent des pauschalen Nettolohns – 67 Prozent, wenn ihr ein oder mehrere Kinder habt. Ab dem 4. Monat steigt der Betrag auf 70 bzw. 77 Prozent, ab dem 7. Monat auf 80 bzw. 87 Prozent.

Wo und wie kann ich Kurzarbeitergeld beantragen?

Kurzarbeitergeld beantragt ihr bei der Bundesagentur für Arbeit. Dazu müsst ihr zunächst den Arbeitsausfall anzeigen und danach Kurzarbeitergeld beantragen. Wie genau das Verfahren abläuft, findet ihr auf der Website der Arbeitsagentur.

Anna Ulbricht
Anna arbeitet als Texterin und Übersetzerin für Jimdo und Unternehmen im Bereich Marketing, E-Commerce und Tourismus. Ihre Leidenschaft ist Reisen – und wenn sie nicht unterwegs ist, trefft ihr sie vielleicht beim Mountainbiken in den Harbuger Bergen.