Mit Brötchen-Bringdienst gegen die Corona-Krise

Eine Tüte mit frischgebackenen Brötchen der Bäckerei Metzler

Eigentlich hätte Moritz Metzler im März in Taiwan um die Bäcker-Weltmeisterschaft backen sollen. Der 23-Jährige ist Deutschlands bester Jungbäcker. Dann aber machte das Coronavirus ihm einen Strich durch die Rechnung.

Jetzt packt der Meister in der Familienbäckerei mit an. Denn auch dort änderte Corona von einem Tag auf den anderen alles – was die Metzlers dazu brachte, etwas völlig Neues in ihrer Bäckerei auszuprobieren.

Knapp 25 Prozent weniger Umsatz durch Corona

Seit 1963 betreibt Familie Metzler eine Bäckerei im idyllischen Langenargen am Bodensee, und zwar äußerst erfolgreich. “Bei uns stehen die Kunden eigentlich immer Schlange”, sagt Moritz. “Unser großer Renner sind unsere frischgebackenen Seelen. Die kommen bei uns noch warm aus der Backstube und wir verkaufen sie direkt aus dem Korb.”

Auch in Zeiten von Corona gibt es immer noch eine Schlange vor der Bäckerei. Doch das hauptsächlich, weil die Kunden eineinhalb Meter Sicherheitsabstand halten. “Wir merken vor allem, dass kaum noch ältere Menschen bei uns einkaufen. Das spüren wir natürlich”, erklärt Moritz. 

Und: Die Bodenseeregion lebt vom Tourismus. Normalerweise, denn aktuell sind zahlreiche Restaurants, Hotels und Ferienwohnungen geschlossen und brauchen daher keine frischen Brötchen. Das kostet die Bäckerei etwa 25 Prozent ihres Umsatzes – Tendenz steigend.

Und was nun? Die Hände in den Schoß legen und hoffen, dass die Krise bald vorbei sein wird? Nicht bei den Metzlers. Anstatt zu verzweifeln, hat sich die Familie dazu entschlossen, die Ärmel hochzukrempeln und die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.

Frisches Brot per Mausklick nach Hause

“Eine Krise ist auch immer eine Gelegenheit etwas zu verändern und Neues auszuprobieren”, sagt Moritz. 

Die Idee: ein Brötchen-Bringdienst. Kunden bestellen online, bezahlen per PayPal oder Kreditkarte und bekommen ihre Brote, Brezeln und Wecken am nächsten Morgen direkt vor die Haustür geliefert. Dazu hat Moritz einen eigenen Onlineshop aufgesetzt. Insgesamt verging mit Idee, Umsetzung und Testphase knapp eine Woche. Seit 19. März ist der Shop auf backerei-metzler.de online. 

Der beladene Brötchen-Transporter kurz vor der Auslieferung
Die Bestellungen werden in Brottüten verpackt und dann per Transporter zugestellt.

“Wir haben den Onlineshop ganz blauäugig auf Facebook beworben”, lacht Moritz. “Mittlerweile hat der Post über 10.000 Views und wurde über 100 Mal geteilt. Offensichtlich haben wir mit unserem Service in dieser Zeit einen Nerv getroffen.”

Bestellt wird bis 22:00 Uhr im Onlineshop, die Bestellungen werden am nächsten Morgen frisch gebacken und ausgeliefert. Kunden brauchen nichts zu unterschreiben und kein Bargeld wechselt den Besitzer. Moritz stellt die Brötchen einfach vor die Haustür und klingelt. “Bei vielen Bestellungen weicht die Lieferadresse von der Rechnungsadresse ab. Das heißt, dass viele Leute für jemand anderen bestellen. Zum Beispiel für die Großeltern, die sich mit dem Internet nicht so gut auskennen”, erklärt Moritz.

Gehört dem Lieferservice die Zukunft?

Ob der Lieferservice auch nach der Corona-Krise fortgesetzt wird, kann Moritz noch nicht sagen: “Wir müssen sehen, ob sich das Angebot auch auf lange Sicht rechnet. Auf jeden Fall ist das Ganze für uns ein wertvolles Experiment, bei dem wir viel lernen können. Für uns ist das ja auch das erste Mal.” 

Auch ob Moritz im Falle einer Fortführung weiterhin die Brötchen ausfahren kann, ist noch nicht sicher. Denn wenn alles gut geht, vertritt er Deutschland Ende Anfang August bei den wieder angesetzten Backweltmeisterschaften. Vielleicht kann er auch dort beweisen, dass man mit Kreativität und Einfallsreichtum immer ganz vorne dabei ist.

Stefan Sturm
Stefan ist Redakteur bei Jimdo und schreibt zu allen Themen rund um Website, Online-Shop und Selbstständigkeit. Seine Freizeit widmet er guten Filmen, Spielen und Büchern.