, ,

Wie „Herr Keulemann” zur echten Love Brand wird

Timo Schirmer, Matthias Dröge und Matthias Graf kennen sich seit über 20 Jahren, zwei von ihnen sogar seit der fünften Klasse. Irgendwann entstand der Wunsch nach einem gemeinsamen Projekt. Die Coronazeit war der perfekte Zeitpunkt. „Wir wollten irgendwas zusammen machen“, erzählen sie. „Wir haben uns ein paar Mal zusammengesetzt und Ideen spielen lassen.“ Der gemeinsame Nenner war: Gin.

Sie gaben sich genau ein Jahr. Ein Jahr, um aus einer Idee ein echtes Produkt zu machen. Und sie hielten Wort. Am 3. September 2022 feierten sie ihre Release-Party von “Herr Keulemann”. 

Der bio-zertifizierte Premium-Gin vereint zwölf hochwertige Bio-Botanicals aus der Region Hamm und wird CO₂-neutral in einer traditionsreichen Brennerei destilliert. Alte Apfelsorten von naturbelassenen Streuobstwiesen – darunter auch die Apfelsorte „Keulemann“, die dem Gin schließlich seinen Namen gab – treffen auf frische Gurken in Demeter-Qualität, aromatischen Wacholder, spritzige Limetten sowie Rosmarin. Erst nach zweimonatiger Reifung wird jede Flasche von Hand abgefüllt. Der Hammer Gin wurde bereits mehrfach mit Awards ausgezeichnet, unter anderem mit dem Craft Spirits Award.

v.l.n.r. Matthias Dröge, Timo Schirmer, Matthias Graf

Freiheit als Antrieb

Doch “Herr Keulemann” ist mehr als ein Gin. Es ist das Ergebnis von Freiheit, Freundschaft und bewussten Entscheidungen. Denn das Unternehmen ist kein klassisches Startup mit Investoren und Wachstumsdruck. Alle drei Gründer arbeiten Vollzeit in ihren Hauptberufen. Circa 5 bis 10 Stunden pro Woche investiert jeder von ihnen in das Projekt und genau das ist ihr Vorteil.

„Das ist ohne Druck. Wir haben alle Familien, die wir ernähren müssen. Das andere können wir dann ganz locker gestalten.“

Diese Freiheit nutzen sie konsequent. Vom Korken bis zum Flaschendesign haben sie alles selbst entschieden. Statt ein fertiges Produkt zu labeln, experimentierten sie mit einzelnen Zutaten, maßen Grammzahlen ab, testeten Limette, Gurke und Gewürze in ihrer eigenen Küche. Qualität vor Kosteneffizienz. Echtheit statt Marketinggeschichte. Und genau diese Haltung spiegelt sich auch digital wider.

Website als eigene Basis

Von Anfang an war ihnen klar: Wenn sie das machen, dann richtig. Sie wollten nicht nur auf Social Media existieren, sondern eine eigene, professionelle Basis haben. Einen Ort, der ihnen gehört und Vertrauen schafft. Die Entscheidung für Jimdo fiel schnell. Matthias Dröge kannte Jimdo aus Hamburg, dazu kamen persönliche Empfehlungen: einfach, verständlich, ohne Programmierkenntnisse umsetzbar. 

Was für alle drei entscheidend war, war der eigene Onlineshop von Beginn an. Sie wollten Zahlungen selbst abwickeln, Kundendaten selbst verwalten und vor allem nicht von Plattformen abhängig sein. Auch Themen wie DSGVO waren direkt über den Rechtstexte Manager integriert – ein klarer Vorteil in der Gründungsphase.

“Vor allem ein gut funktionierender Shop mit allen Zahlungsoptionen – Stichwort PayPal – macht es für die Kund:innen besonders einfach.”

  Jimdo Kunden seit 2022

Als sie durch Gastronomien gingen oder Handelspartner ansprachen, konnten sie sagen: Hier ist unsere Homepage und unser Shop. Hier erzählen wir unsere Geschichte. Das machte einen entscheidenden Unterschied. Langfristig sehen die drei Gründer den Onlinevertrieb als wichtigste Säule. Er ist bundesweit skalierbar und nebenberuflich effizient machbar. Gleichzeitig stärkt der Onlineshop ihre Position im stationären Handel. Wenn Kund:innen online bestellen oder Kontakt aufnehmen, steigt auch die Nachfrage im Einzelhandel.

„Wenn im Handel Leute nachfragen: ‚Habt ihr nicht auch Herr Keulemann?‘, wird es für uns deutlich leichter, dort ins Sortiment zu kommen.“

Der eigene Shop wird damit nicht nur Verkaufsplattform, sondern Marketinginstrument und Anker für Vertrauen.

Newsletter statt Abhängigkeit vom Algorithmus

Die Westfalen setzen außerdem bewusst auf einen weiteren Kanal, den viele unterschätzen: den Newsletter. Anfangs waren sie skeptisch. „Ich habe immer gedacht, Newsletter werden nicht gelesen“, gibt Timo Schirmer offen zu. Doch sie probierten es aus. 

Als sie ihre limitierte Sonderedition zum Hammer Stadtjubiläum per Newsletter ankündigten, geschah etwas, womit sie selbst nicht gerechnet hatten. Kurz nach dem Versand saßen sie gemeinsam bei einer Veranstaltung und das Handy vibrierte in Dauerschleife „Bestellung. Bestellung. Bestellung.“

„Das war wirklich irre, was dieser Newsletter da ausgelöst hat.“

Gerade bei einem Premiumprodukt, das knapp 50 Euro kostet, ist Vertrauen alles. Der Newsletter schafft genau dieses langfristige Vertrauen, denn Menschen kaufen nicht nur Alkohol. Sie kaufen Geschichte, Haltung, Regionalität und Echtheit.

Und genau das erzählen sie in ihren Newslettern. Von den Äpfeln der nahegelegenen Streuobstwiesen. Vom Bio-Weizen-Alkohol. Von der Zusammenarbeit mit regionalen Bauern. Von Pflanzaktionen, bei denen sie selbst mit anpacken. Von neuen Rezepturen, die in ihrer Küche entstehen. 

Im Gegensatz zu Instagram, wo Algorithmen entscheiden, wer etwas sieht, haben sie beim Newsletter die volle Kontrolle. Und was vielleicht noch wichtiger ist: Die Menschen haben sich bewusst dafür entschieden, diese Mails zu bekommen. Sie wollen dazugehören, informiert werden und als Erste erfahren, wenn bei “Herr Keulemann” etwas Neues passiert. 

Sie verschicken ihren Newsletter in der Regel einmal im Quartal. Keine Dauerwerbung mit Rabattschlacht, stattdessen echte Mehrwerte: Zugang zu limitierten Editionen vor allen anderen oder Gewinnspiele. Hintergrundgeschichten sowie gelegentliche Gutscheincodes, die sich dank Onlineshop unkompliziert umsetzen lassen. Und es funktioniert: Viele Onlinekund:innen kaufen immer wieder.

Fazit

Der Onlineshop wird zum Dreh- und Angelpunkt. Ein Kunde probiert den Gin auf einem Event. Meldet sich für den Newsletter an. Bestellt online nach. Erzählt Freunden davon. und fragt im Handel danach. Und stärkt so wiederum die Marke. “Herr Keulemann” wächst nicht durch riesige Werbebudgets oder Amazon-Rankings, sondern durch eine Community, die die drei Gründer selbst aufgebaut haben. 

Ihre Tipps für deine Selbstständigkeit

Gute Vorbereitung und Recherche ist alles

“Eine saubere Markenrecherche beim Patent- und Markenamt ist Pflicht. Wir haben uns vor dem Start intensiv von der Uni Dortmund beraten lassen und unsere Marke offiziell schützen lassen. Als bei uns plötzlich ein Anwaltsschreiben eintraf, waren wir abgesichert. Das hat uns enorm viel Stress erspart.“

Die richtigen Tools von Anfang an

“Unser Tipp: Spart nicht am falschen Ende und setzt von Anfang an auf ein professionelles Rechnungsprogramm. Mit Word- oder Excel-Dateien wird es schnell unübersichtlich. Ein gutes Rechnungstool sorgt für saubere Prozesse und macht auch dem Steuerberater das Leben deutlich leichter.“

Märkte und Events zum Aufbau von Kundenbeziehungen

„Geht raus zu den Menschen! Instagram ist stark für Sichtbarkeit, aber die größten Effekte erzielen wir bei Vor-Ort-Events und Stadtfesten. Gerade bei einem erklärungsbedürftigen Produkt ist der direkte Kontakt entscheidend, weil wir persönlich erzählen, was unseren Gin besonders macht und die Leute ihn probieren können. So entstehen Vertrauen und echte Verbindungen zu Kund:innen.“

Starte jetzt mit deinem eigenen Online Shop