GmbH, GbR oder Einzelunternehmer: Welche Rechtsform ist die richtige?

Die Gründung eines eigenen Unternehmens ist aufregend. Und vor allem steht ihr plötzlich vor vielen wichtigen Fragen! Die Frage nach der passenden Rechtsform ist eine davon: GmbH, GbR oder Einzelunternehmen – was passt zu euch und eurem Unternehmen?

Wir zeigen euch, was sich hinter den Begriffen genau versteckt und vergleichen die Rechtsformen für einen schnellen Überblick.

Bitte beachtet, dass dieser Artikel keine Rechtsberatung darstellt. Solltet ihr Fragen oder Unsicherheiten zu rechtlichen Themen haben, empfehlen wir, einen Rechtsexperten zu kontaktieren.
  1. GmbH gründen: das Haftungsrisiko “auslagern“
  2. GbR gründen: die einfachste Form der Unternehmensgründung
  3. Für Solo-Selbstständige: das Einzelunternehmen
  4. Fazit: Einzelunternehmen, GbR oder GmbH?

GmbH gründen: Das Haftungsrisiko “auslagern”

GmbH bedeutet “Gesellschaft mit beschränkter Haftung”. Das heißt im Klartext: Bei finanziellen Problemen haftet ihr nicht mit eurem Privatbesitz, sondern die GmbH mit ihrem Kapital. Denn diese ist eine eigene “rechtsverbindliche Person”.

Natürlich lagert ihr euer finanzielles Risiko damit nicht komplett aus. Denn: Um eine GmbH zu gründen, müsst ihr als Gründer Startkapital einbringen. Das liegt bei mindestens 25.000 Euro.

Damit beschränkt sich euer persönliches Haftungsrisiko auf das eingezahlte Stammkapital. Euer privates Vermögen wird nicht angetastet. Auch steuerlich bleiben Berufliches und Privates getrennt. Für sehr viele Gründer hat die GmbH also große Vorteile.

Eine GmbH kann auch von einer einzelnen Person gegründet werden.  In diesem Fall spricht man von einer Ein-Mann-GmbH. Gründen mehrere Personen eine GmbH sind sie Gesellschafter. Jeder Gesellschafter haftet mit der Höhe seiner Kapitaleinlage, die in einem Gesellschaftsvertrag festgelegt ist.

 

Eigene Website erstellen

 

7 Schritte zur Gründung einer GmbH

Ihr überlegt, eine GmbH zu gründen? Das geht einfacher, als es im ersten Augenblick scheint. Dazu braucht ihr nur:

  1. Markenname festlegen (und am besten gleich die Website-Domain sichern).
  2. Gesellschaftsvertrag aufsetzen und bei der Gründung durch mehrere Personen klären, wer die Geschäftsführung übernimmt. Eventuell lasst ihr euch für den Vertrag von einem Anwalt beraten.
  3. Notartermin ausmachen, um den Gesellschaftsvertrag beurkunden zu lassen.
  4. Geschäftskonto eröffnen, Stammkapital einzahlen (mindestens die Hälfte muss zu Beginn vorliegen) und dem Notar einen Nachweis über die Einzahlung vorlegen.
  5. Eintrag eurer GmbH ins Handelsregister durch den Notar und Erhalt der HRB-Nummer.
  6. Anmeldung beim Finanzamt für die Steuernummer, beim Gewerbeamt und verpflichtend auch bei der IHK
  7. Eröffnungsbilanz für das Finanzamt erstellen. Dafür sucht ihr euch eventuell Unterstützung oder Beratung durch einen Steuerberater.

 

Welche Vorteile hat eine GmbH?

  • Haftungsrisiko nur in Höhe der eigenen Geldeinlage: Bei einer GmbH seid ihr rechtlich von eurer Privatsphäre getrennt und haftet nur mit eurer Kapitaleinlage.
  • Gutes Image einer GmbH: Mit dem Eintrag ins Handelsregister und dem finanziellen Aufwand wirkt die Gründung verbindlicher und seriöser.
  • Vertrauen bei Geschäftspartnern schaffen: Der Jahresabschluss ist im Bundesanzeiger für jeden sichtbar, was Vertrauen bei Abschlüssen mit Geschäftspartnern schafft.

 

Welche Nachteile hat eine GmbH?

  • Hohe Gründungskosten: Neben der Mindesteinlage von 25.000 Euro müsst ihr mit circa 1000 Euro Gründungskosten für Notar, Handelsregister-Eintrag und so weiter rechnen.
  • Buchführungs- und Bilanzierungspflicht: Mit einer GmbH seid ihr zur doppelten Buchführung verpflichtet und müsst Bilanzen führen.
  • Gewerbesteuerpflichtig: Eine GmbH muss aufgrund  ihrer Rechtsform immer Gewerbesteuer zahlen, auch wenn sie aus Freiberuflern oder Ärzten besteht.

Gut zu wissen: In bestimmten Situationen müssen die Gesellschafter einer GmbH dennoch mit ihrem privaten Vermögen haften. Experten empfehlen daher, erst nach Eintrag ins Handelsregister “richtig” mit euren Geschäften beginnen und bei Unsicherheiten einen Rechtsexperten zu kontaktieren.

 

Für wen eignet sich die Gründung einer GmbH?

Wer privates und berufliches Vermögen trennen möchte, ist mit einer GmbH gut beraten. Allerdings müsst ihr als Voraussetzung das Gründungskapital von 25.000 Euro erst einmal aufbringen. Eine GmbH “lohnt” sich also meistens erst ab einer gewissen Unternehmensgröße.

 

Business Website erstellen

 

GbR gründen: die einfachste Form der Unternehmensgründung

GbR steht für “Gesellschaft bürgerlichen Rechts”. Man kann sagen, dass dies die lockerste Unternehmensform zwischen mehreren Personen ist. Wollt ihr eine GbR gründen, müsst ihr mindestens zu zweit sein und einen gemeinsamen Zweck verfolgen. Wenn ihr keinen Partner habt, gründet ihr keine GbR, sondern ein Einzelunternehmen.

Die Unterschiede zur GmbH: Für die Gründung einer GbR braucht ihr keinen Vertrag (wird aber empfohlen) und auch keine Kapitaleinlage. Ein Eintrag ins Handelsregister ist ebenfalls überflüssig. Im Gegensatz zur GmbH haftet ihr aber auch mit eurem Privatvermögen.

 

5 Schritte zur Gründung einer GbR

  1. Firmennamen ausdenken und am besten gleich eine Domain sichern .
  2. Empfohlener Gesellschaftsvertrag: Ein schriftlicher Vertrag ist zwar nicht notwendig, schafft aber Rechtssicherheit für alle Beteiligten.
  3. Eröffnung eines Geschäftskontos
  4. Anmeldung beim Gewerbeamt: Ist eure GbR gewerblich tätig, dann muss sich jeder von euch einzeln beim Gewerbeamt als Einzelunternehmer anmelden. Erst im zweiten Schritt könnt ihr die GbR anmelden.
  5. Anmeldung beim Finanzamt: Um die Steuernummer für eure GbR zu erhalten und Rechnung stellen zu können, meldet ihr euch beim Finanzamt.

 

Welche Vorteile hat eine GbR?

  • Geringere Kosten bei der Gründung: Ihr müsst weder Notar- und Gerichtskosten zahlen, noch  Startkapital aufbringen.
  • Unkomplizierte Gründung: Eine GbR kann schnell und unbürokratisch gegründet werden.
  • Einfache Buchführung: Es ist keine doppelte Buchführung notwendig, lediglich die vereinfachte Gewinn- und Verlustrechnung.
  • Keine Gewerbesteuerpflicht für Freiberufler: Freiberufler, die sich in einer GbR zusammenschließen, müssen keine Gewerbesteuer zahlen. Bis zu einem Gewinn von 24.500 € fällt auch für eine gewerbetreibende GbR keine Gewerbesteuer an.
 Ihr seid auf der Suche nach weiteren Idee für eine unkomplizierte und wenig kostspielige Gründung, dann schaut in unser Sechs-Punkte-Sparprogramm für Gründer.

Welche Nachteile hat eine GbR?

  • Volle persönliche Haftung eines jeden Gesellschafters: Egal, wie die Gewinne oder Verluste intern per Vertrag verteilt sind oder wer den Verlust mehrheitlich verursacht – nach außen haften alle Gesellschafter gleich mit ihrem Privatvermögen.
  • Weniger Flexibilität bei Geschäftsentscheidungen: Alle Entscheidungen müssen gemeinschaftlich getroffen werden. Dies kann aber in eurem Vertrag anders festgelegt werden.
  • Umsatzgrenze bei Gewerbetreibenden: Die Gründung einer GbR ist nur möglich, wenn ihr die Umsatzgrenze von 250.000 Euro nicht überschreitet. Solltet ihr im darauffolgenden Jahr mehr Umsatz machen, wird euer GbR automatisch zu einer OHG (Offene Handelsgesellschaft) und muss in Handelsregister eingetragen werden. Das gilt allerdings nur für Gewerbetreibende und nicht für Freiberufler.

 

Für wen eignet sich die Gründung einer GbR?

Vor allem junge Start-ups, Freiberufler in der Kultur- und Kreativbranche oder Personen, die ein Kleingewerbe aufbauen (Umsatz unter 250.000 €), nutzen die kostengünstige und unkomplizierte Gründungsform der GbR.

Die Gründung einer GbR ist besonders bei Freiberuflern beliebt, da keine Gewerbesteuer anfällt. Allerdings solltet ihr das Haftungsrisiko mit dem eigenen Vermögen unbedingt vorher abwägen. Eine GbR eignet sich deshalb eher für Unternehmen mit überschaubaren Risiken, die zur Not auch privat getragen werden können.
 
Neue Website erstellen
 

Für Solo-Selbstständige: Das Einzelunternehmen

Da eine GbR nur von mehreren Personen gegründet werden kann, ist der Einzelunternehmer eine sehr gute Alternative für Alleinunternehmer. Als Freiberufler müsst ihr euch lediglich beim Finanzamt melden, als Gewerbetreibender zusätzlich beim Gewerbeamt. Ganz einfach also.

Die Gründung eines Einzelunternehmens ist in vielen Fällen genauso unkompliziert wie die Gründung einer GbR. Das heißt, ihr braucht kein Startkapital und auch keinen Eintrag ins Handelsregister. Wie bei einer GbR haftet ihr unbeschränkt mit eurem privaten Vermögen. Der Unterschied: Als Einzelunternehmer tragt ihr das Risiko allein – könnt dafür aber natürlich auch alle Entscheidungen unabhängig treffen.

Es gibt verschiedene Formen von Einzelunternehmern:

  • Der Kleinunternehmer: Als Kleinunternehmer könnt ihr nur eingestuft werden, wenn euer geschätzter Umsatz nicht über 17.500 Euro beträgt und im darauffolgenden Jahr nicht über 50.000 Euro liegt. Der Vorteil der Kleinunternehmerregelung ist eine einfache Buchhaltung. Außerdem fällt die Umsatzsteuerpflicht weg. Am Ende des Jahres erstellt ihr neben eurer Einkommenssteuererklärung lediglich eine Einnahmenüberschussrechnung (EÜR).
  • Der Einzelunternehmer ohne Eintrag ins Handelsregister: Wenn euer jährlicher Gewinn nicht über 60.000 Euro und euer Jahresumsatz unter 600.000 Euro liegt, braucht ihr nur eine einfache Einnahmenüberschussrechnung zu machen. Wenn ihr höhere Umsätze verbucht, seid ihr buchführungs- und bilanzierungspflichtig.
  • Der Einzelunternehmer mit Eintrag im Handelsregister: Wenn ihr euch als Einzelunternehmer im Handelsregister als Kaufmann/Kauffrau eintragt oder sogar eintragen müsst, seid ihr buchführungspflichtig und müsst einen Jahresabschluss und Bilanzen erstellen.

 

Für wen eignet sich die Tätigkeit als Einzelunternehmer?

Als selbstständig bzw. “alleine” tätige Person seid ihr Einzelunternehmer. Die genaue Form richtet sich dabei vor allem danach, wie viel ihr verdient. Besonders reizvoll ist für viele Solo-Selbstständige die Kleinunternehmerregelung, da sie euch bei einem begrenzten Umsatz steuerliche Vorteile bringt.

 

Website erstellen

 

Fazit: Einzelunternehmen, GbR oder GmbH?

Meistens hängt die Entscheidung davon ab, ob ihr euer Unternehmen alleine oder mit anderen führen wollt, welches Startkapital vorhanden ist und wie ihr die Haftung regeln wollt.

Folgende Fragen solltet ihr euch vor der Wahl einer Unternehmensform stellen:

  • Gründet ihr alleine oder zusammen mit anderen Personen?
  • Wie hoch ist das finanzielle Risiko eures Unternehmens, falls ihr privat haftet?
  • Wie wichtig ist euch der Aspekt der beschränkten Haftung?
  • Habt ihr das nötige Startkapital für die Gründung einer GmbH?
  • Wollt ihr den höheren Arbeitsaufwand bei der Gründung einer GmbH in Kauf nehmen?

Wir hoffen, ihr habt einen guten Eindruck von den verschiedenen Unternehmensformen bekommen. Vielleicht wisst ihr auch schon, welche die richtige für euch ist. Dennoch: Ein persönliches Gespräch mit einem Experten lohnt sich auf jeden Fall. Damit seid ihr auf der sicheren Seite und könnt euch euren Traum vom eigenen Unternehmen mit einem guten Gewissen erfüllen!