Traumjob Reisejournalist: Ein Spagat zwischen Kunst und Bürokratie

Aaron mit seinem Vater auf dem Kilimandscharo
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Es gibt sie wirklich: die klassischen Traumjobs. Zum Beispiel um die Welt zu reisen und damit sein Geld zu verdienen. Das ist Aarons Alltag als Outdoor-Fotograf. 

Zu seinem Alltag gehört auch etwas, das viele Selbstständige nur zu gut kennen: “ein organisatorischer Berg, der manchmal kaum zu bewältigen scheint”, wie Aaron sagt. 

So hat er bereits den größten Gletscher Europas in Island bestiegen, sich durch die tiefsten Dschungel in Nord-Thailand gekämpft und zu Fuß das Hochland der Vulkane in Ostafrika durchquert. Doch genauso wartet zu Hause dann immer eine Menge Schreibtischarbeit. 

Wie gelingt ihm dieser Spagat?

Business-Steckbrief: Moser Media

  • Location: Hamburg
  • Branche/Produkt: Fotografie
  • Wer steckt dahinter: Gelernter Mediengestalter und Outdoor-Fotograf Aaron
  • Gründungsjahr: 2016
  • Website: www.aaronmoser.de

Im Interview nimmt Aaron uns mit auf die Reise zu seiner Leidenschaft. Und berichtet davon, dass hinter seiner Profession viel Traum, aber eben auch viel Job steckt. 

Hallo Aaron. Du bist Outdoor-Fotograf. Heißt das, du machst 52 Wochen im Jahr Urlaub? 

Das denken viele: Wir lassen uns für ein paar Wochen am Strand die Sonne auf den Bauch scheinen und knipsen zwischendurch ein paar Bilder von Palmen und Sonnenuntergängen. Tatsächlich ist es aber meistens eher so, dass wir nach den Reisen urlaubsreifer sind als vorher (lacht!).

Wie kommt das?

Um das perfekte Bild zu schießen, muss man möglichst nah an der Natur sein. Deswegen sind wir oft zu Fuß, im Kayak oder auf dem Kamel unterwegs. Das sind meistens die körperlich anstrengendsten, aber seelisch tollsten Erfahrungen. Erst wenn man zu Fuß mehrere Wochen mit Massai-Nomaden das Hochland der Vulkane in Tansania durchquert hat, oder die massiven Gletscherspalten des Vatnajökull auf 1000 Metern Höhe in Island überwunden hat, wird einem bewusst, wie klein der eigene Platz in der Welt ist. Wenn wir zurückkommen, sind wir erschöpft. Aber beseelt.

Für das perfekte Foto ist Aaron oftmals zu Fuß unterwegs.

Gibt es auch Schattenseiten an deinem Beruf?

Unser Beruf wird oft als Traumjob beschrieben. Und das ist er auch. Aber dabei wird häufig vergessen, was alles dahinter steckt. 

Was meinst du damit?

Unsere Profession ist ein Lebensweg, den die Steuerbehörde nur bedingt gut findet. Das macht es zu einer Herausforderung, die Leidenschaft mit dem bürokratischen Alltag zu verknüpfen. Es fällt mir definitiv leichter, mich durch das grüne Dickicht von Nord-Thailand zu kämpfen, als durch den Papier-Dschungel auf meinem Schreibtisch…

Das glauben wir gerne. Aber die Mühe scheint sich zu lohnen? 

Keine Frage, ich würde meinen Beruf niemals tauschen wollen. Für mich sind es neben der Fotografie vor allem auch die Momente, die man mit bloßem Auge aufnimmt. Ich nenne das: “Bilder für den inneren Rucksack sammeln”. Das sind die Erlebnisse, die mir immer wieder bewusst machen, warum ich meinen Job so liebe. 

Schlafen unter’m Sternenhimmel, inmitten der Natur.

Wie kam es denn überhaupt dazu, dass du Outdoor-Fotograf geworden bist? 

Nach dem Abi wusste ich nicht so recht, in welche Richtung es beruflich für mich gehen sollte. Mein Vater ist Reisejournalist und hat mich dann an die Hand genommen und vorgeschlagen, einen gemeinsamen Trip zu machen. 

Dabei hatte er vermutlich keinen einwöchigen All-inclusive-Urlaub auf dem Kreuzfahrtschiff im Sinn.

Nicht so ganz, wir waren etwas unkonventioneller unterwegs. Wir sind zu Fuß von München nach Florenz gewandert. Insgesamt 1.500 Kilometer! 

Wow! Und dabei hat es dann wortwörtlich “Klick” gemacht?

Genau. Ich habe währenddessen entdeckt, wieviel Spaß mir das Reisen und die Fotografie machen. Als wir zurück waren, hatte ich dann das Glück, eine duale Ausbildung zum Mediengestalter beim Norddeutschen Rundfunk machen zu dürfen. Damit hatte ich eine gute Grundlage, um meine Leidenschaft auch beruflich verwirklichen zu können. 

Dein Vater scheint in deinem Werdegang eine entscheidende Inspiration gewesen zu sein. Inwiefern verbindet euch das heute?

Wir teilen beide diese “Fernsucht” und sind auch heute noch oft gemeinsam unterwegs. Zum Beispiel haben wir zusammen den Kilimandscharo bestiegen. Ein Traum, den sich mein Vater schon immer mit meinem Großvater erfüllen wollte – doch leider ist es dazu nie gekommen. Jetzt, 30 Jahre später, haben wir dieses Vorhaben umgesetzt. Nach wochenlanger Wanderung gemeinsam mit meinem Vater auf 6.000 Höhenmetern am Kraterrand zu stehen, das war ein unglaubliches Gefühl.   

Ein Massai-Nomade inmitten des Hochlands der Vulkane in Tansania.

Inwiefern haben dich deine bisherigen Erfahrungen geprägt? 

Mein Vater und ich haben das Motto: “Begeisterung und Leidenschaft fragen nicht nach Sinn und Zweck.” Das bringt es auf den Punkt. Für uns gibt es nichts Wichtigeres, als das gemeinsame Erleben. Und so steht man auch die weniger angenehmen Dinge, wie beispielsweise die Bürokratie, durch. Deswegen berichte ich auch gerne von meiner eigenen Geschichte. Um anderen Mut zu machen, ihrer Leidenschaft zu folgen. Denn wenn ich eins gelernt habe: Die schönsten Ziele kommen nach dem schwersten Aufstieg! 


Neben seinen Reisen gibt Aaron auch Fotoworkshops in Hamburg. In kleinen Gruppen führt er in die Welt der Fotografie ein und gibt viele praktische Tipps. Die Fotokurse könnt ihr hier buchen!

Und wer jetzt nach dem Interview Fernweh bekommen hat: Die gemeinsame Reise zum Kilimandscharo von Aaron und seinem Vater gibt es als Film! Dieser wird am 16.07.21 im Hamburger Zeise Kino gezeigt – Open Air unter dem Sternenhimmel!

Katharina Mühe
Katharina ist Content Creator bei Jimdo und immer auf der Suche nach inspirierenden Geschichten von Menschen, die für ihre Leidenschaft brennen. In ihrer Freizeit kocht sie gerne, ist viel mit Freunden oder in der Natur unterwegs.
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