Lohnt sich die Kleinunternehmerregelung für euer Business?

Eine junge Kleinunternehmerin steht lächelnd in ihrem Food Truck.

Seit dem 1. Januar 2020 gilt eine überarbeitete Kleinunternehmerregelung. Wir informieren euch über die Grundlagen der Regelung, die wichtigsten Änderungen und zeigen euch, wie ihr eure Kunden über euren Kleinunternehmerstatus informieren könnt.

Was ist die Kleinunternehmerregelung?

Nehmt ihr die Kleinunternehmerregelung in Anspruch, seid ihr von der Umsatzsteuer befreit. Weder müsst ihr von euren Kunden Umsatzsteuer erheben, noch müsst ihr sie ans Finanzamt abführen. Den Kleinunternehmerstatus könnt ihr bei eurem Finanzamt beantragen.

Dieser Artikel stellt keine Finanzberatung dar. Wir erläutern lediglich die Grundlagen der Kleinunternehmerregelung. Ob sie für euer Unternehmen sinnvoll ist, solltet mit einem Finanzexperten eures Vertrauens klären.

Was ist der Zweck der Kleinunternehmerregelung?

Die Regelung soll die Verwaltung und Buchhaltung für Kleinunternehmer vereinfachen, damit ihr euch voll und ganz auf euer Business konzentrieren könnt.

Welche Voraussetzungen muss ich für die Kleinunternehmerregelung erfüllen?

Ihr kommt für die Kleinunternehmerregelung infrage, wenn:

  • Euer Unternehmen in Deutschland ansässig ist.
  • Im Gründungsjahr darf euer Gesamtumsatz 22.000 € (früher 17.500 €) nicht überschreiten.

Für alle weiteren Jahre nach der Gründung gilt:

  • Euer Gesamtumsatz im vorherigen Kalenderjahr darf die Grenze von 22.000 € nicht überschritten haben.
  • Euer Gesamtumsatz im laufenden Kalenderjahr wird voraussichtlich weniger als 50.000 € betragen.

Die Rechtsform eures Unternehmens spielt hierbei keine Rolle – egal ob ihr als Einzelunternehmen, GbR oder GmbH gemeldet seid. Wichtigste Voraussetzung für den Kleinunternehmerstatus ist ein Gesamtumsatz von unter 22.000 €.

Entscheidet ihr euch gegen die Kleinunternehmerregelung, seid ihr fünf Jahre lang an diese Entscheidung gebunden. Die Höhe eures Gesamtumsatzes spielt dann keine Rolle mehr. In diesem Fall müsst ihr in den ersten beiden Jahren nach der Gründung monatlich eine Umsatzsteuervoranmeldung abgeben, danach einmal im Quartal.

In welchen Ländern gilt die Kleinunternehmerregelung?

Die Kleinunternehmerregelung gibt es in mehreren europäischen Ländern. Die Voraussetzungen dafür unterscheiden sich aber von Land zu Land:

  • In den Niederlanden liegt die Grenze für den Gesamtumsatz bei 20.000 €.
  • In Italien benötigt ihr eine italienische Umsatzsteuernummer und dürft einen maximalen Jahresumsatz von 65.000 € nicht überschreiten.
  • In Frankreich gibt es unterschiedliche Umsatzanforderungen für Dienstleistungen (34.400 €) und physische Produkte (85.000 €).

Lasst euch von eurem Steuerberater beraten

Die Kleinunternehmerregelung kann vieles einfacher machen. Doch unter Umständen kann sie euch auch Geld kosten. Stichwort: Vorsteuerabzug. Sprecht also mit eurem Steuerberater darüber, ob sich der Kleinunternehmerstatus für euch lohnt.

Mit diesen Fragen könnt ihr eine erste Einschätzung vornehmen:

  • Wie viel Umsatz macht ihr pro Jahr?
  • Wie viel Umsatzsteuer zahlt ihr selbst bei euren Geschäftsausgaben.
  • Wie viel Umsatzsteuer zahlen euch eure Kunden?
  • Arbeitet ihr viel mit Businesskunden, die sich ihre Umsatzsteuer per Vorsteuerabzug zurückholen können?
  • Sind eure Kunden von der Umsatzsteuer befreit?
  • Sind euren Kunden meist Unternehmen aus dem Ausland, die ihre Umsatzsteuer in ihrem eigenen Land abführen?
  • Wie viel Zeit, Geld und Nerven kostet euch eure Umsatzsteuererklärung?

Tipp: Schreibt auf, wie viele Arbeitsstunden ihr jährlich für eure Umsatzsteuer benötigt. Berechnet diese Stunden nach eurem normalen Stundensatz und ihr werdet deutlich sehen, wie viel Zeit ihr sparen könnt.

Was spricht für die Nutzung der Kleinunternehmerregelung?

Keine Umsatzsteuer erheben und abführen zu müssen, bedeutet weniger Verwaltung, weniger Buchhaltungskosten und keine vierteljährliche oder gar monatliche Umsatzsteuervoranmeldung.

Verkauft ihr hauptsächlich an Privatpersonen, kann die Kleinunternehmerregelung besonders vorteilhaft sein. Erhebt ihr keine Umsatzsteuer, fallen eure Preise entsprechend niedriger aus.

Was spricht dagegen?

Entscheidet ihr euch für die Kleinunternehmerregelung, habt ihr keinen Anspruch mehr auf den Vorsteuerabzug. Das heißt, dass ihr euch die Umsatzsteuer, die ihr mit euren Geschäftsausgaben bezahlt, nicht mehr vom Finanzamt zurückholen könnt.

Macht ihr hauptsächlich Geschäfte mit anderen Unternehmen, fällt der Vorteil der günstigeren Preise weg. Denn eure Business-Kunden holen sich die bezahlte Umsatzsteuer ohnehin per Vorsteuerabzug wieder. Stattdessen kann es sein, dass sie euren Kleinunternehmerstatus als unprofessionell interpretieren. Denn würdet ihr es ernst mit eurem Business meinen, würdet ihr ja mehr als 22.000 € im Jahr umsetzen und ordentlich Umsatzsteuer erheben, oder?

Wie melde ich mich für die Kleinunternehmerregelung an?

Dazu müsst ihr bei eurem örtlichen Finanzamt den “Fragebogen zur steuerlichen Erfassung” vorlegen. Diese findet ihr zum Ausdrucken beim Bundesministerium der Finanzen oder rein elektronisch bei ELSTER.

Teilt euren Kunden mit, dass ihr Kleinunternehmer seid

Das könnt ihr zum Beispiel auf eurer Website machen – etwa auf eurer Preisseite oder in eurem FAQ. Dies erspart unnötige Fragen und Verwirrung.

In jedem Fall solltet ihr euren Kleinunternehmerstatus auf euren Rechnungen erwähnen. Ein einfacher Text wie dieser reicht vollkommen: „Kein Ausweis von Umsatzsteuer, da Kleinunternehmer gemäß § 19 UStG.”

Habt ihr einen Onlineshop bei Jimdo, könnt ihr selbst einstellen, ob ihr Kleinunternehmer seid oder nicht:

Ob sich die Kleinunternehmerregelung für euch lohnt, hängt ganz von eurer individuellen Business-Situation ab. Verkauft ihr viel an Privatkunden, verschafft ihr euch als Kleinunternehmer einen handfesten Preisvorteil. Arbeitet ihr aber hauptsächlich für andere Unternehmen oder habt viele Geschäftsausgaben, bei denen ihr euch die Umsatzsteuer zurückholt, dann ist die Regelung für euch deutlich weniger attraktiv.

Stefan Sturm
Stefan ist Redakteur bei Jimdo und schreibt zu allen Themen rund um Website, Online-Shop und Selbstständigkeit. Seine Freizeit widmet er guten Filmen, Spielen und Büchern.