Trotz Kontaktverbot: Wie ihr euer Business am Laufen haltet – mit Beispielen

Wie kleine Unternehmen ihr Business trotz Kontaktsperre am Laufen halten

Das Coronavirus hat das öffentliche Leben lahmgelegt. Kein Besuch im Theater, keine Yoga-Kurse, kein Stöbern beim Buchhändler des Vertrauens.

Das heißt auch: Für viele Kleinunternehmer, Selbstständige und Freiberufler gibt es durch Kontaktverbot und örtliche Ausgangssperren gravierende Umsatzeinbußen.

Die Situation ist schwierig. Doch viele Selbstständige und kleine Unternehmen sind kreativ, passen ihren Arbeitsalltag an oder gehen mutig neue Wege. Wir präsentieren euch Ideen, die ihr vielleicht auch für euer Business umsetzen könnt – und zeigen einige inspirierende Beispiele von anderen Selbstständigen und Unternehmen!

Von Yoga bis Inneneinrichtung: Verlegt euer Angebot ins Netz

Ihr seid Yoga-Lehrer, Fitness-Trainer oder Therapeut? Euer Business basiert darauf, dass ihr Coachings, Workshops oder Treatments gebt? Viele Berufe mit direktem Kundenkontakt lassen sich heute auch digital ausüben.

Trefft eure Klienten im Videochat, verabredet euch zu Gruppen-Calls und zeigt ihnen die Übungen, die sie Zuhause machen können. Beratet sie und seid auch in dieser schwierigen Zeit für sie da. Denn auch eure Kunden wollen zu Hause ganz sicher nicht nur die Füße hochlegen.

Oder seid ihr Künstler, Musiker und lebt vom Auftritt vor Publikum? Es haben sich in den vergangenen Tagen viele kleine Zusammenschlüsse von Aktiven aus der Kreativszene entwickelt – vom Clubbetreiber bis zum Pianisten – die ihre Gigs und Auftritte online streamen und damit ihre Zielgruppe erreichen.

In einer ganz anderen Branche wiederum ist das Team von “Winkel van Sinkel” tätig, einem Pflanzen- und Lifestyle-Geschäft in Hamburg. Sie verkaufen normalerweise in ihren Ladengeschäften verschiedene Interieur-Accessoires und Pflanzen. Aktuell jedoch bieten sie per Video-Call eine Live-Beratung für die individuelle Inneneinrichtung an und machen so das Beste aus dem bundesweiten Kontaktverbot.

Das Kontaktverbot macht eines besonders schwer: Den Kundenkontakt. Auch, wenn Skype, Hangouts oder FaceTime das echte Gespräch nicht ersetzen können: Not macht eben erfinderisch – und eure Kunden werden es ganz sicher zu schätzen wissen, euch online zu erreichen.

Verkauft Gutscheine

Apropos treue Kunden: Die aktuelle Zeit ist für Freiberufler und Selbstständige mehr als eine Herausforderung. Das wissen ganz bestimmt auch eure Kunden. Denn mittlerweile ist jedem klar: nur zusammen schaffen wir das. Und wir alle wollen, dass die Blumenläden, Eisdielen und Restaurants in der Nachbarschaft überleben.

Neue Plattformen wie STOYL – Save The Ones You Love – unterstützen euch dabei. Unter dem Motto “Leistung kaufen, Hoffnung schenken” werden dort bereits von Restaurant über Sportverein bis Einzelhandel Gutscheine aller Art zum Kauf angeboten. Und ihr könnt ganz einfach dabei sein (per Mail an info@stoyl.de).

Das kann helfen, eure Umsatzeinbußen zu minimieren. Und ganz nebenbei sorgen eure Kunden selbst dafür, dass sie, wenn alles überstanden ist, bei euch im Laden immer noch eine große Party feiern, Blumenkränze kaufen oder ihr Fahrrad reparieren lassen können. Und wenn’s gut läuft könnt ihr vielleicht selbst noch schnell einen Gutschein beim italienischen Restaurant kaufen.

Erweitert euer Angebot so weit wie möglich

Logisch, ihr liebt dieses Gefühl, wenn ihr abends in euer Restaurant kommt und überall sitzen gut gelaunte Menschen. Auch wir freuen uns darauf, wenn es endlich wieder soweit ist. Bis dahin heißt es aber leider: Zähne zusammenbeißen und tun, was getan werden kann.

Vielleicht müsst ihr euren Gastraum schließen. Das muss euch aber auch lange nicht von der Arbeit abhalten. Denn eure Stammgäste haben auch weiterhin Appetit. Die Zeit berichtet beispielsweise von dem Fall des Hotel Haase in Laatzen, Niedersachsen. Ab 16 Uhr können die Dorfbewohner Speisen bestellen, vom Kinderteller bis zum Drei-Gänge Menü. Ausgegeben werden die Mahlzeiten provisorisch auf Hotelgeschirr – die Kunden würden es schon zurückbringen.

Der Fall zeigt: Habt Vertrauen in eure Kundschaft, denn es lohnt sich. Bietet Lieferungen an oder verkauft eure Gerichte Take-Away. Auch wenn ihr Caterer für Events oder Kantinen seid, könnt ihr die Menschen weiterhin versorgen. Schwingt euch aufs Fahrrad oder ins Auto, liefert aus und minimiert die Umsatzeinbußen.

Das Muchos Más in Bremen hatte derweil eine andere Idee. Normalerweise kommen die Gäste wegen der spanischen Köstlichkeiten, doch auch dort ist der Gastraum geschlossen. Also wurde, innerhalb von zwei Tagen, umgebaut. Tische und Stühle raus, Regale rein – fertig war der Supermarkt für spanische Spezialitäten. Inklusive Essen natürlich, als Lieferung oder Take-Away.

Kreativität kann sich also auszahlen – soweit es für euer Business möglich ist, natürlich. Eure Kunden werden sich freuen und es ganz bestimmt nicht vergessen. Beim Essenkochen ab 16 Uhr bleibt es im Hotel Haase übrigens nicht. Denn seitdem das Hotel geschlossen hat, wird saniert – und, natürlich, packen alle mit an.

Nutzt alle Möglichkeiten eurer Business-Infrastruktur

Vielleicht ist bei euch eine Sanierung aber gar nicht nötig. Dennoch könnt auch ihr bestimmt improvisieren. Denn ob ihr als Kleinunternehmen eine Tischlerei betreibt oder ein Messebauunternehmen führt – ihr teilt das gleiche Schicksal: Die Aufträge bleiben aus.

Stand jetzt gilt zwar ein Kontaktverbot (Versammlungen von mehr als 2 Personen sind weitestgehend verboten). Der Weg zu Arbeit ist jedoch nach wie vor erlaubt und viele kleine Unternehmen wie Handwerksbetriebe verfügen über eine besondere Infrastruktur und Ausstattung.

Wenn ihr also schon keine Messestände entwerfen und bauen könnt, guckt, was anderweitig möglich ist. Schon vor mehreren Wochen, als klar war, dass alle Messen abgesagt werden, begann ein Messebauer damit, das Geschäftsmodell zu ändern  – denn das Know-How und die Tischlerei sind vielseitig einsetzbar.

Anstatt Messeständen werden dort nun Kleinbusse zum Camper ausgebaut. Die Resonanz war groß und schon nach kurzer Zeit lagen konkrete Anfragen vor. Lange Lieferzeiten, wie beim Camper-Ausbau üblich, sind in der aktuellen Situation für viele bestimmt kein Problem. Wer weiß, welche ungeahnten Talente ihr entdeckt.

Sucht euch Gleichgesinnte und tut euch zusammen

Bereits jetzt sind unter dem Hashtag #shoplocal auf Instagram über 30 Millionen Posts zu finden, in denen weltweit dazu aufgerufen wird, Selbstständige und kleine Unternehmen zu unterstützen.

Und auch ihr könnt euch untereinander helfen. Viele Restaurants haben bereits auf Lieferservice umgestellt. Essen bestellen ist für die Menschen nichts Neues – dass aber auch Blumen- oder Buchhändler nun aufs Lastenrad steigen, daran müssen sich viele erst gewöhnen. In Schürsdorf, Schleswig-Holstein, hat das Restaurant Butz also gleich die Nachbarschaft mit eingebunden und einen Onlineshop eröffnet. Wer dort einen Mittagstisch ordert, kann den Blumenstrauß vom Blumenladen nebenan gleich mitbestellen.

Hier werden nicht nur Kräfte, sondern auch Waren gebündelt. Weitere Einzelhändler, die sich an der Aktion beteiligen wollen, werden gesucht. Auch wir von Jimdo wollen euch natürlich weiterhin dabei unterstützen, euch zusammenbringen und vernetzen. Schaut einfach mal in unserer Facebook-Gruppe für Selbstständige und kleine Unternehmen in der Corona-Krise vorbei. Dort könnt ihr euch austauschen oder zusammentun und findet weitere kreative Ideen.

Die Beispiele, die zeigen, wie die Menschen sich gegenseitig unterstützen, geben großen Anlass zur Hoffnung. Und sie zeigen, dass es viele kreative und solidarische Lösungen gibt, die funktionieren und euer Business am Laufen halten können – und viele Menschen, die bereit sind, sich in Zeiten der Corona-Krise tatkräftig zu unterstützen. #SupportSmallBusinesses.

Markus Bruhn
Markus ist Redakteur und kümmert sich um den Bereich Text und Social Media bei Jimdo. Zuvor war er für verschiedene Medien und Unternehmen in den Bereichen E-Commerce, Mobilität und Sport tätig. Ansonsten beschäftigt er sich vor allem mit Fußball, Musik und guten Büchern.